Stress in der Schule – Entlastung durch Supervision und Coaching

Claudia RehderAllgemein

Lehrer stehen als Mensch extrem im Fokus. Während des gesamten Schultages schaut man auf sie und darauf, wie sie reagieren. Schüler reiben sich an ihnen, testen ihre Grenzen aus, suchen Aufmerksamkeit und Orientierung. Das sind hohe Anforderungen an die Lehrerpersönlichkeit und an den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.

Lehrer stehen unter Stress

Lehrer sein und besonders auch Lehrer zu werden, ist nicht selten eine Herausforderung und so manches Mal mit großem Stress verbunden. Stress, der Lehrer nicht nur in der jeweiligen schulischen Situation belastet, sondern der oft auch mit nach Hause genommen wird. Meist bleibt in der Hektik eines Schultages keine Zeit, in der man in Ruhe mit einem Kollegen darüber sprechen könnte. Und wenn wir ehrlich sind, herrscht auch in so manchem Kollegium nicht die dafür notwendige Offenheit, die es möglich macht, persönliche Probleme, die man beispielsweise gerade mit einer Klasse hatte, ohne Scham im Lehrerzimmer kundzutun. Vielmehr sind viele Kollegen bedauerlicherweise immer noch Einzelkämpfer. Das, was hinter den geschlossenen Türen ihrer Klassenräume passiert, belassen sie allzu gerne dort. Alles machen sie mit sich selbst aus, um sich bloß keine Blöße zu geben.
So nehmen also viele Kollegen belastende Erlebnisse mit nach Hause. Das Abschalten davon fällt dann oft deshalb so schwer, weil die Geschehnisse an den „wunden“ Punkten der eigenen Persönlichkeit nagen. Dass solche Situationen belastend sein und psychischen Stress verursachen können, ist nicht verwunderlich.

Jeder reagiert anders auf Stress

Daher kann ich jedem Lehrer und besonders auch den Lehrern im Vorbereitungsdienst sowie den Berufsanfängern nur empfehlen, belastende Situationen nicht einfach nur hinzunehmen und als „shit happens“ abzutun. Viel gewinnbringender und für die eigene Entwicklung als Lehrer weitaus zuträglicher ist es, die Ereignisse und das, was sie bei einem auslösen, zu reflektieren und dabei ehrlich hinzuschauen.

Was nämlich die eigenen Anteile daran sind, mag sich so mancher nicht eingestehen. Aber man muss ganz klar sagen, dass Kinder und Jugendlich erstmal so sind, wie sie sind. Natürlich sind ihre Verhaltensweisen manchmal nervig und manches Mal sicher auch unangebracht, etwa wenn sie einen Lehrer verbal angreifen. Aber die Tatsache, dass ein Lehrer von diesem Verhalten genervt ist oder es ihn gar persönlich verletzt, liegt nicht per se an dem Verhalten selbst. Vielmehr liegen die Gründe dafür in der individuellen Persönlichkeit des Lehrers.
Warum sonst kann ein Lehrer auf eine Situation entspannt reagieren, während sich ein anderer in der selben Situation persönlich angegriffen fühlt und am liebsten aus dem Klassenraum flüchten würde?

Supervision versus Coaching

In solchen Momenten können Supervision und Coaching Pädagogen spürbar entlasten.
Dabei kann man im Falle einer Supervision seine Themen in einer Gruppe von Kollegen besprechen. Diese können aus der eigenen oder aus verschiedenen Schulen kommen. Das Gespräch wird von einem professionellen und fachlich versierten Supervisor strukturiert, der sich auch beratend einschaltet.
Jedoch sind solche Gruppengespräche nicht für jeden das Richtige. Nicht jeder möchte verständlicherweise seine persönlichen Themen mit und vor anderen besprechen. In einem solchen Fall kann es empfehlenswert sein, sich einen erfahrenen Coach zu suchen.
Im Gegensatz zur Supervision ist ein professionelles Coaching ein Zweiergespräch auf Augenhöhe. Der Coach begleitet den Lehrer dabei, sein Thema zu bearbeiten. Durch strukturierte Fragen und oft auch kreative Methoden und Übungen hilft er seinem Kunden, seine individuellen Lösungen zu finden und schließlich deren Umsetzung zu planen.
Beide Formen, die Supervision und das Coaching, werden von Lehrern, die einmal diese professionelle Unterstützung in Anspruch genommen haben, als sehr entlastend und unverzichtbar empfunden. Trotzdem machen bis dato nur wenige davon Gebrauch. Dabei würden sie damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Schülern helfen. Denn nichts ist für diese wertvoller, als ein entspannter, in sich selbst ruhender Lehrer, der die Klippen eines Schultages gekonnt zu umschiffen weiß und Dinge, die passieren, nicht persönlich nimmt.