Spürst du die Belastung oder bist du weiterhin entspannt?

Claudia RehderAllgemein

Dass die Rahmenbedingungen in Bezug auf Schule und Unterricht schlecht sind, ist keine Frage. Lehrerinnen und Lehrern wird immer mehr zugemutet und die persönliche Belastung nimmt zu. Statt beispielsweise endlich einmal die Klassengrößen zu verringern, kommen neue Herausforderungen, wie die Inklusion in Regelklassen hinzu. Auch an der bereits 1911 eingeführten 45-Minuten-Stunde halten wir vielerorts noch fest, obwohl es längst bessere und modernere Ansätze gibt. Es gäbe noch viele solcher Beispiele.

Was mich jedoch stutzig macht, ist, dass es trotz der schwierigen Bedingungen und der vielen Herausforderungen in unserem Beruf, beides gibt: Lehrerinnen und Lehrer, die entspannt und mit viel Freude ihren Schulalltag meistern und andere, die sich durch die vielfältigen Aufgaben, die zeitlich enge Taktung und die fehlenden Pausen eben auch sehr gestresst und ausgelaugt fühlen. Auch ich selbst kenne diese Phasen enormer Ausgelaugtheit und Belastung und habe mich immer gefragt, ob es nicht auch anders gehen kann.

Im Rahmen meiner Arbeit als Coach und Trainerin für Lehrer beschäftige ich mich mit diesem Thema nun schon seit Längerem. Die Frage, die ich mir stelle, ist, woran das eigentlich liegt? Meiner Erfahrung nach kommt es dabei sehr darauf an, wie wir selbst die Situationen, die uns in der Schule begegnen, bewerten und welche Haltung wir dazu einnehmen.

Wenn du Gedanken hast, wie „Puh, das ist ja heute wieder stressig“, „Die 7a ist einfach nur anstrengend“ oder „Nachher falle ich bestimmt wieder total erschöpft auf die Couch“, dann lenkst du deine Aufmerksamkeit genau auf das Unerwünschte, sprich das, was du nicht mehr willst oder gerne ändern würdest. Wenn du dich zusätzlich noch fragst: „Warum bin ich nur immer so gestresst?“ oder „Warum muss ausgerechnet ich diese Klasse freitags in der 6. Stunde unterrichten?“, dann schenkst du der unliebsamen Situation deine ganze Energie. Diese Energie fehlt dir schließlich an anderer Stelle. Du fühlst dich erschöpft, verzweifelst mehr und mehr und verharrst letztendlich in dieser problematischen Situation.

Wie du deine Belastung senken kannst

Hast du hingegen förderliche, unterstützende Gedanken, wie „Das wird ein toller Schultag“, „Ich freue mich auf die 7a“ oder „Nachher gönne ich mir eine Tasse Kaffee und ein kleines Mittagsschläfchen“, dann lenkst du deine Aufmerksamkeit und damit auch deine Energie in eine positive Richtung. Gelingt es dir zusätzlich, dir in schwierigen Situationen kraftvolle, lösungsorientierte Fragen zu stellen, wie „Wie kann ich heute leichter durch meinen Schultag gehen?“ oder „Was kann ich tun, um die Stunde in der 7a möglichst entspannt zu halten?“, dann fokussierst du dich auf die Lösung und dein Gehirn wird sich auf die Suche nach den entsprechenden Antworten machen.

Entspanntes Unterrichten ist das beste Mittel gegen Burnout.

Auch wenn Lehrerinnen und Lehrer nachweislich doppelt so hoch belastet sind wie alle anderen Berufgruppen, so hat man doch herausgefunden, dass nicht die hohe Belastung entscheidend ist. Vielmehr ist es das subjektive Erleben, das der Grund dafür ist, ob du dich gestresst fühlst oder eben nicht.

Wie du bestimmte Situationen erlebst und welche Gedanken dir dazu in den Kopf kommen, hängst von vielen Faktoren. Nicht nur deine Persönlichkeit, auch Erfahrungen und früheste Kindheitserlebnisse und Glaubenssätze spielen eine Rolle. Auch ist entscheidend, ob du deinen Job eher lustlos erledigst oder vielmehr eine große Begeisterung für deine Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen empfindest. In Finnland ist Letzteres sogar ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl geeigneter Lehrerinnen und Lehrer, übrigens noch vor der fachlichen Qualifikation.

Die gute Nachricht ist, dass es möglich ist, Einfluss auf das eigene, subjektive Erleben zu nehmen und es zu ändern. Dies erfordert jedoch nicht nur eine klare Entscheidung, sondern gelingt in den meisten Fällen nur mit äußerer Unterstützung. Ich kann dich nur ermuntern, dich auf diesen Weg zu einem entspannteren Schulalltag zu machen. Denn guter und entspannter Unterricht ist die beste Burnout-Prophylaxe, wie ich gerade in einem Vortrag von Prof. Dr. Olaf-Axel Burow gehört habe 🙂

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