Konflikte zwischen Schülern lösen

Claudia RehderAllgemein

Gerade jüngere Schüler kommen häufig auf uns zu, wenn sie Konflikte miteinander haben. Es fällt ihnen noch schwer, ihre Streitereien alleine zu lösen. Für uns Lehrer kann dies sehr Zeit und Kräfte raubend sein. Gerade auch, weil sich durch die oft konfusen und sehr emotionalen Berichte der Konfliktparteien, oft nicht mehr nachvollziehen lässt, wer angefangen hat und daher vielleicht “schuld” an dem Streit ist. Was also kannst du als Lehrer tun, um diese Konflikte zu lösen oder wenigstens zu befrieden?







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Wenn Schüler einen Konflikt an dich herantragen, führe mit Ihnen idealerweise ein Mediationsgespräch. Du bist der Mediator und damit der Leiter des Gesprächs.
Dabei darf zunächst Schüler A schildern, wie er die Konfliktsituation erlebt hat. Schüler B darf ihn nicht unterbrechen, sondern soll aufmerksam zuhören. Am Ende fasst man als Mediator das Gesagte nochmal kurz zusammen, um sicherzustellen, dass man alles richtig verstanden hat. Schüler A bestätigt das oder stellt es noch einmal richtig. Nun ist Schüler B dran bei gleichem Ablauf.

Wenn danach die Situation klar ist und es nichts zu ergänzen gibt, gut. Wenn nicht und wenn man denkt, dass man damit noch einen Schritt weiterkommt, lässt man die Schüler noch mehr erzählen und ergänzen. Weiterhin spricht nur einer, der andere hört zu.

Bei eindeutiger, geklärter Konfliktsituation

Wenn die Konfliktsituation nach diesem Gespräch klar und eventuell sogar der Auslöser des Konflikts gefunden ist, ist es sicher das Sinnvollste, zusammen mit den Schülern zu überlegen, wie man den Konflikt nun am besten (auf-)lösen kann. Dies kann beispielsweise sein, dass die Schüler sich gegenseitig entschuldigen und sich die Hand reichen. Vielleicht kann auch einer etwas für den anderen machen, um den Schaden, der entstanden ist, wieder gutzumachen.

Bei unklarer, nicht mehr nachvollziehbarer Konfliktsituation

Meiner Erfahrung nach lassen sich jedoch die meisten Konflikte im Nachhinein nicht mehr klar nachvollziehen. Gerade jüngeren Schülern fällt es oft schwer, die Ereignisse in der richtigen Reihenfolge wiederzugeben oder sie stoßen dabei einfach sprachlich an ihre Grenzen. So bleibt eine Situation für uns Lehrer, obwohl wir aufmerksam zuhören, oftmals eher schwammig.

Zudem wird eine Lösungsfindung auch dadurch erschwert, dass oft
a) unklar ist, wer eigentlich angefangen hat.
b) beide Schüler einen Anteil an dem Streit hatten.
c) ein Schüler etwas getan hat, was der andere nicht mochte.
d) ein Schüler nicht aufgehört hat, etwas zu tun und der andere sich dann aus lauter Hilflosigkeit mit körperlicher Gewalt gewehrt hat (oft bekommt dann der gewalttätige Schüler die Strafe, obwohl er vom anderen vorher provoziert oder geärgert worden ist).

Meist kann man aber zumindest einzelne Szenen herauskristallisieren, die für die Schüler besonders relevant oder verletzend waren, z. B. "Ich wollte nicht mehr mitspielen und da hat X mich einfach geschubst." oder "Der hat einfach den Stift aus meinem Mäppchen genommen." oder "Die hat gesagt, dass ich zu doof für Mathe bin."
Mit diesen Szenen kann man dann sehr gut arbeiten und daran den Schülern grundsätzliche Probleme im Miteinander verdeutlichen. Man kann ihnen zeigen, wie sie es in Zukunft besser machen bzw. solche Konflikte vermeiden können.

Konflikte zwischen Schülern

Es geht meist um die selben Dinge

Ich habe dabei festgestellt, dass es eigentlich immer wieder um die selben Dinge geht, nämlich darum, zu begreifen, dass wir alle unterschiedlich sind und darum, die Grenzen des Anderen zu respektieren.

Wenn also ein Schüler zum anderen sagt, dass er zu doof für Mathe sei, geht es natürlich zum einen darum, diesem klarzumachen, dass eine solche Aussage verletzend und respektlos ist. Aber meiner Meinung nach ist es enorm wichtig, den Schülern darüber hinaus zu erklären, dass jeder Mensch anders ist und dass der eine eben schlecht in Mathe ist und der andere dies besser kann. Aber dass der Schüler, der schlecht in Mathe ist, in Deutsch vielleicht sehr gute Noten hat oder prima Fußball spielt. Und keines davon ist besser oder schlechter als das andere. Jeder von uns ist anders und hat andere Begabungen, Stärken und Schwächen.

Und wenn eine Schülerin berichtet, sie habe nicht mehr mitspielen wollen und sei dann von ihrer Mitschülerin einfach geschubst worden, ist dies natürlich ebenfalls respektlos und unangemessen. Aber es ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass hier die Grenzen des Anderen nicht respektiert wurden. Auch dies ist etwas, das unsere Schüler lernen müssen. Sie müssen respektieren, wenn jemand etwas nicht (mehr) möchte und "Stopp" sagt.
Da es jedoch oft auch so ist, dass dieses "Stopp" nicht deutlich artikuliert wurde, müssen sie auch lernen, klar und deutlich zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen.

Dieses Wörtchen "Stopp" als Signal dafür, dass man etwas nicht möchte, kann man übrigens auch ganz konkret in einer Klasse einführen. Auf ein Signal zu achten, fällt gerade den jüngeren Schülern leichter. Sie können dabei lernen, selbst ihre Grenzen auszudrücken und die der anderen zu erkennen.

Geduld ist mehr als notwendig

Selbstverständlich ist es nicht damit getan, all diese Dinge, die ich hier aufgeführt habe, ein einziges Mal zu sagen. Man kann nicht erwarten, dass die Schüler sich sofort daran halten und es in Zukunft keine Konflikte mehr gibt. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ein Immer-und-immer-wieder-Sagen im Laufe der Zeit Früchte trägt. Wenn die Schüler das immer wieder hören, lernen sie diese "Gesetzmäßigkeiten" des menschlichen Zusammenlebens. Sie erkennen sie bei sich selbst und bei anderen und lernen auch, damit umzugehen und nehmen das "Stopp" eines Mitschülers nicht mehr so persönlich.

Die im sozialen Verhalten fitteren Schüler machen ihre Mitschüler dann sogar oft auf diese "Gesetzmäßigkeiten" aufmerksam, indem sie in der Konfliktsituation selbst den "Täter" darauf hinweisen, dass der andere z. B. nicht mehr mitspielen will. Auch können sie im Nachhinein oft zur Klärung beitragen, weil sie z. B. wahrgenommen haben, dass ihre Mitschülerin schon mehrmals "Stopp" oder etwas Gleichwertiges gesagt hatte, bevor sie geschubst wurde.

Hier braucht es also einen langen Atem und viel Geduld. Jedoch bekommt man mit der Zeit Übung darin, ergebnislos erscheinende Konfliktgespräche abzukürzen, indem man die entscheidenden Szenen herausfiltert und zu diesen klar und in immer der gleichen Weise Stellung bezieht.
Als Lohn für all die Mühe winken eine Verbesserung des Sozialverhaltens, des gegenseitigen Respekts und der Toleranz gegenüber Andersartigkeit in der Klasse.
Klingt das plausibel für dich?