Fehler als Ermutigung

Claudia RehderAllgemein

In vielen Klassenräumen haben Fehler die vielerorts übliche Bedeutung, dass Schüler etwas falsch gemacht haben. Fehler werden thematisiert, korrigiert, fließen in die Bewertung ein, müssen besprochen und verbessert werden, sind peinlich und mit Scham behaftet, führen zu schlechten Noten, sind Angst besetzt, manchmal verpönt und irgendwie immer unerfreulich.

In einem Klassenraum jedoch scheint es diesbezüglich eine ganz andere Meinung zu geben. Hier steht für die Schüler zur Erinnerung Folgendes an der Tafel:
If you fail, never give up because F.A.I.L. means „First Attempt In Learning“!
Ist das nicht eine wundervolle und überaus wertvolle Sichtweise? Wenn du einen Fehler machst oder in einer Sache scheiterst, gib niemals auf, denn das bedeutet, dass du gerade den ersten Versuch gemacht hast, diese Sache zu lernen.
Daraus sprechen Ermutigung und die Zuversicht, dass die Sache dann schon in einem der nächsten Versuche gelernt werden wird. Der Fehler ist also etwas Positives, ein durchaus üblicher Schritt, der einen weiterbringt. Der Fehler ist eine wertvolle Erfahrung, ein Hinweis, den wir uns zunutze machen können, um beim nächsten Versuch dem Ziel noch näher zu kommen oder es sogar bereits zu erreichen.
Wenn wir uns als Lehrer diese Sichtweise zu Herzen nehmen und unseren Schülern vermitteln würden, könnten wir den Fokus vom Schmerz, den ein Fehler verursacht, hin auf dessen Nutzen lenken und Klassenräume zu Orten der Ermutigung und Zuversicht machen, in denen Fehler höchst willkommen und gern gesehene Gäste sind.
Ein Beispiel aus der Praxis wäre, wenn man unter ein Diktat nicht mehr die Anzahl der Fehler schreibt, sondern stattdessen: „Du hast von 120 Wörtern 106 richtig geschrieben!“ Damit liegt der Fokus mit einem Mal auf den Wörtern, die bereits korrekt geschrieben werden und nicht auf denen, die noch geübt werden müssen. Vielleicht ein kleiner, aber entscheidender Unterschied? Was meinst du?