Alles eine Frage der inneren Haltung und was Lehrer darüber wissen sollten

Claudia RehderAllgemein

Viel vertrauter als die innere ist den meisten von uns vermutlich die äußere Haltung. Schnell fällt uns dazu als Beispiel die Körperhaltung ein. Ein Mensch, der sicheren Schrittes mit aufgerichtetem Oberkörper und gehobenem Kopf auf uns zukommt, macht auf uns einen positiven, selbstsicheren Eindruck. Ganz anders wirkt dagegen jemand, der mit eingefallenen Schultern, gesenktem Kopf und zögerlichen, kleinen Schritten durch das Schulhaus schleicht.

Äußere und innere Haltung

Nimmt man diese beiden äußeren Haltungen übrigens selbst einmal ganz bewusst ein, spürt man wie unmittelbar sie unser inneres Erleben beeinflussen. Die äußere und die innere Haltung sind untrennbar miteinander verbunden. Wenn du also gerade ein unerfreuliches Erlebnis im Lehrerzimmer hattest und nun ganz niedergedrückt über den Schulhof zur nächsten Unterrichtsstunde gehst, richte dich bewusst auf und lächele. Du wirst dich garantiert besser fühlen.

Umgekehrt funktioniert es ebenfalls. Auch unser seelischer Zustand im Innern spiegelt sich in unserer äußeren (Körper-)Haltung wider. Man sieht vielen Menschen an, wie sie sich fühlen oder nimmt zumindest unbewusst wahr, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Dies ist ein entscheidender Punkt. In meinen Augen ist es sehr wichtig, dass sich jeder Lehrer darüber bewusst ist, dass seine innere Haltung sich im Außen widerspiegelt und dort Einfluss nimmt. Unsere Schüler nehmen kleinste körpersprachliche Signale wahr und reagieren darauf entsprechend. Dies geschieht unbewusst und wir wundern uns dann, warum die Stunde in der 7a heute wieder so schlecht gelaufen ist.

Negative Haltung, unerträgliche Klasse

Ich selbst habe diese Erfahrung vor Jahren einmal in einer Hauptschulklasse gemacht, mit der ich überhaupt nicht zurechtkam. Tatsächlich stieg in mir jedes Mal, wenn ich über den Schulhof Richtung Klassenraum ging, eine heftige Wut hoch. Ich hatte überhaupt keine Lust, „diese“ Kinder zu unterrichten, die doch den Stoff ohnehin nicht verstanden. Stattdessen benahmen sie sich unmöglich und machten mir das Leben schwer.

Nach außen bemühte ich mich um Freundlichkeit, zumindest am Anfang der Stunde 😉 Dennoch wurde meine negative, innere Einstellung von den Schülern unbewusst wahrgenommen. Sie spürten, dass ich Sie nicht wertschätzte und benahmen sich genauso schlecht, wie ich von ihnen dachte. Stunde um Stunde schien sich zu bestätigen, dass ich recht hatte.

Mir aber reichte es irgendwann. Ich wollte diese unerträgliche Situation, die mich jedes Mal Nerven kostete, verändern. Ich suchte mir Hilfe und ging meiner Wut auf den Grund. Danach war diese wie weggeblasen und ich bemühte mich fortan ganz aktiv um eine positive und wertschätzende Grundhaltung, wenn ich in die Klasse ging. Ich machte mir bewusst, dass meine Schüler einfach Kinder in der Pubertät und daher manchmal schwierig, aber keinesfalls bösartig sind. Zudem nahm ich mir vor, mit ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, Unzulänglichkeiten zu tolerieren und einfach das Beste daraus zu machen.

Wir Lehrer sind die Stimmungsmacher

Ich war erstaunt, welch tiefgreifende Wirkung diese Veränderungen zeigten. Ab sofort ging ich viel entspannter und positiver in diese Klasse, was sich unmittelbar im Verhalten der Schüler widerspiegelte. Wir kamen mit einem Mal viel besser miteinander klar.

Dies hat mir deutlich vor Augen geführt, dass eine aufrichtige, positive innere Haltung zu unseren Schülern Berge versetzen kann. Wir sollten den Einfluss, den wir dadurch haben, nicht unterschätzen. Wir Lehrer sind die Stimmungsmacher.
Probiere es aus! Geh in eine schwierige Klasse ganz bewusst mit der Einstellung, dass Fehler erlaubt sind und die Kinder schon ihr Bestes geben werden. Was verändert sich bei dir? Was bei deinen Schülern?

Übrigens: Wenn innere und äußere Haltung übereinstimmen, sind wir authentisch. Sei immer authentisch! Auch, wenn du schlecht gelaunt bist!

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